Delia Wings in Flugbegleiter-Uniform

Delia Wings ist ihr Künstlername. Jugendliche 36 Jahre hat sie auf dem Buckel. Simultan ist die junge Berlinerin Flugbegleiterin, Bloggerin, Flugangst-Coach und Mutter. Seit 10 Jahren jettet sie um den Globus und sorgt dafür, dass ihre Passagiere eine sichere und möglichst angenehme Reise haben. Erfahrt mehr über das alltägliche Leben einer Flugbegleiterin – vom Boden bis hoch über die Wolken.

Wieso bist du Flugbegleiterin geworden? Und was liebst du so an deinem Job?

Als ich ungefähr 12 Jahre alt war, hat mir mein Vater ein ziemlich detailliertes Lebenshoroskop erstellt, in welchem auch stand, dass ich durch meine Reise-Passion entweder Zug- oder Flugbegleiterin werden sollte. Nach dem Abitur habe ich erst einmal Sprachwissenschaften studiert, bis ich mich entschloss, mich bei meiner jetzigen Airline zu bewerben. Ich liebe es fürs Verreisen bezahlt zu werden und habe schon so viel auf der Welt gesehen und erlebt, für das ich sehr dankbar bin. Ich habe durch diesen Job auch 2 meiner besten Freundinnen kennengelernt. Die Kollegen an Bord sind richtig tolle, offene und interessante Menschen.

Wie sieht ein so ein Arbeitsalltag bei dir aus?

Ich wohne in Berlin, fliege jedoch aus Frankfurt am Main ab (ich kenne auch Kollegen, die in anderen europäischen Ländern leben oder sogar aus New York „shutteln“, um zur Arbeit nach FRA zu kommen). Also checke ich als erstes die Buchungszahlen der Flüge nach FRA, denn meistens fliege ich auf „Standby-Rate“. So kann ich sehr vergünstigt mitfliegen, wenn noch Sitzplätze vorhanden sind.

Wie ein Arbeitsalltag bei mir aussieht kommt ganz darauf an. Ein Tag auf der Kurzstrecke ist ganz anders, als auf der Mittel- oder Langstrecke. Auf der Kurzstrecke hat man entweder frühe oder späte Touren. Es kann durchaus mal sein, dass man sich schon um 5:45 Uhr in der Früh mit den Kollegen zum Briefing trifft, um dann den ersten Flug des Tages zu einer bestimmten Destination durchzuführen. Sagen wir mal um 6 Uhr geht es nach Rom, danach wieder nach Frankfurt, dann weiter nach Oslo, wieder nach Frankfurt und dann nach München ins Hotel.

Flugzeug beim Abheben

Ein Arbeitstag auf der Langstrecke sieht da schon etwas anders aus: In FRA angekommen gehe ich vom Terminal rüber zur Crew Basis, wo alle Flug- und Passagierinformationen gecheckt werden und ich treffe zum ersten Mal die Crew, denn bei über 20.000 Kollegen kennt man die meisten noch gar nicht. Außerdem werden Flugdaten besprochen und wir gehen Szenarien durch, die auf dem Flug passieren könnten. Zudem werden die Arbeitspositionen nach Firmenzugehörigkeit verteilt: Wer am längsten dabei ist, darf sich die Arbeitsposition zuerst aussuchen.  

Nach der Crew-Sicherheitskontrolle geht’s dann auch schon direkt zum Flugzeug. Es folgen Routine-Vorbereitungen in der Maschine. Anschließend kann das Boarding beginnen. Je nach Flugzeugmuster kann sich das ziemlich lang ziehen und anstrengend werden. Es kann bis zu einer Stunde dauern, bis alle Fluggäste zu ihrem Platz gefunden oder sich (mit unserer Hilfe) umgesetzt haben. Es ist das reinste Tetris-Spiel, wenn auf einem voll ausgebuchten Flug Familien zusammengesetzt werden müssen, weil sie beim Einchecken keine zusammenliegenden Plätze mehr bekommen haben – und es gibt viele Fluggäste, die sich einfach nicht umsetzen möchten, um anderen einen Gefallen zu tun. 

Noch ein paar letzte Checks und der Flieger kann abheben. Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon seit 7 Stunden unterwegs. Sobald die Anschnallzeichen von den Piloten ausgestellt werden, springen wir auf, ziehen uns bequemere Schuhe an und beginnen mit den Vorbereitungen in den Bordküchen. Bis wir das Essen verteilt haben, jeder Fluggast gegessen und getrunken hat, alles wieder eingesammelt worden ist, die Küchen wieder schick aussehen und der Bordverkauf erledigt wurde, können gut 3 Stunden vergehen. Dann versammeln wir uns in den Küchen und essen nun auch etwas. Endlich Zeit für uns Flugbegleiter zum Quatschen, Kennenlernen und ggf. Planen gemeinsamer Ausflüge im Reiseziel.

Getränkeausgabe im Flugzeug

Als nächstes werden die Ruhezeiten eingeteilt: Zuerst geht die erste Hälfte der Flugbegleiter in die Crew-Betten und danach die anderen, sodass immer Personal für die Fluggäste ansprechbar ist. Ungefähr 3 Stunden schlafen wir, bis wir wieder geweckt werden. Sobald dann auch die zweite Hälfte der Crew ihre 3 Stunden Schlaf bekommen hat, beginnt der zweite Service: dieses Mal Frühstück. Es ist manchmal schon ziemlich hart, nur 3 Stunden zu ruhen, dann aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden und 15 Minuten später wieder lächelnd weiterzuarbeiten. Aber man gewöhnt sich daran.

Nach dem zweiten Service ist die Landung schon fast in Sicht. Ähnlich wie beim Start gibt es wieder Sicherheitschecks. Ist das Flugzeug sicher am Boden, verabschieden wir die Gäste an unseren jeweiligen Türen. Dann ist für uns die Arbeit auch so gut wie erledigt. Wir begeben uns Richtung Einreise-Bereiche (extra für Crews und Diplomaten) und können endlich Richtung Crew-Bus gehen, der uns ins 5-Sterne-Hotel fährt. So verlief zum Beispiel mein Flug nach Singapur – nach ungefähr 26 Stunden auf den Beinen und 30 Stunden wach sein. Eine Langfassung über meinen Arbeitsalltag auf Langstreckenflügen findet ihr sonst auch noch hier.

Siehst und genießt du wirklich viel von der Welt oder schlägst du dich eher mit Jetlag in den Hotels herum?

Auf der Kurzstrecke nutze ich meistens die kurze Freizeit um zu schlafen, aber auf der Langstrecke habe ich auch mal gute 2 Tage frei. Da hat man genug Zeit fürs Tandem-Fahrrad fahren auf der Golden Gate Bridge, um Pferde-Ausritte mit Blick auf die Stadt Bogota in Kolumbien zu machen oder, um über die chinesische Mauer zu laufen. Schlafen tue ich allerdings auch auf der Langstrecke sehr gerne.

Teil des Lebens einer Flugbegleiterin ist Reisen. Delia Wings in New York

Als Flugbegleiter*in hat man bei jedem Flug neue Kolleg*innen an seiner Seite. Ist das Fluch oder Segen?

Die Flugbegleiter unserer Airline werden im Bewerbungsprozess von Psychologen auf Teamfähigkeit und Integration „getestet”. Von daher trifft man auf jeder Tour ganz tolle Menschen, mit denen man sich unterhalten kann, als ob man sich schon ewig kennen würde. Während eines Umlaufs (so nennt man eine Tour von Anfang bis Ende) ist die Crew so eine Art Ersatz für Freunde und Familie. Speziell, wenn man Feiertage wie Weinhnachten oder Silvester fliegen “muss”. Ich finde es toll, dass die Crew immer anders gemischt ist, aber man fliegt auch öfter mal mit Kollegen zusammen, die man schon kennt.

Gibt es auch Schattenseiten in deinem Beruf?

Wie ich schon erwähnt habe, trifft es einen manchmal und man hat über Feiertage Dienst und kann sie nicht mit seiner Familie verbringen. Aber wer sich schlau seinen Urlaub und seine freien Tage legt, kann das in den meisten Fällen vermeiden. Das Thema Jetlag und Müdigkeit ist zwar auch etwas, mit dem man umgehen muss, aber richtig schlimm ist es bei mir kaum. Nur in Destinationen wie Japan habe ich größere Schlafprobleme, da dort Tag ist, wenn in Deutschland Nacht ist. Insgesamt überwiegen aber die postiven Seiten die Schattenseiten.

Wie bekommst du deinen Job mit einem Kind und Freizeit unter einen Hut?

Die ersten 5 Jahre bin ich Vollzeit geflogen, aber jetzt als Mutter nur noch eine ganz kleineTeilzeit. Da ist ein Flug nach Singapur in einem Monat schon mein voller Arbeitsplan. Ich bin dann knappe 5 Tage unterwegs, aber habe den Rest des Monats mehr Zeit für mein Kind, als manche Eltern die jeden Tag ins Büro müssen.

Das Leben einer Flugbegleiterin mit Kind. Delia mit ihrem Sohn.

Du hilfst Menschen in einem Coaching ihre Flugangst zu überwinden. Hast du einen go-to Ratschlag auf die Hand für alle Fälle?

An Bord haben bis zu 80% aller Fluggäste Flugangst – manche mehr, manche weniger. Bei Turbulenzen bekommen die meisten Gäste ein ungutes Gefühl, aber da kann ich beruhigen: Turbulenzen sind nicht gefährlich. Flugzeuge sind so gebaut, dass sie Winde bedenkenlos aushalten. Es ist seit 40 Jahren kein Flugzeug mehr wegen Turbulenzen verunglückt – die moderne Technik macht das sozusagen unmöglich. Wer Interesse an meinem einstündigen telefonischen Flugangst Coaching hat, kann es hier buchen.

Ich habe das Gefühl meistens sind die Flugbegleiter*innen ziemlich jung. Woran liegt das?

Das liegt an den „Billigairlines”. Die großen Premium Carrier haben ganz viele Kollegen, die bis zum Rentenalter fliegen, weil sie faire Verträge haben und ein ganz gutes Gehalt bekommen. Bei günstigen Airlines wird an den Gehältern gespart und deshalb sind die Kollegen da eher jung, da sie den Traum vom Fliegen haben und noch nicht so viele finanzielle Belastungen im Leben haben.

In dem Lied „Jenny Jenny“ von AnnenMayKantereit heißt es: „Die Welt ist kleiner, wenn du jeden Tag fliegst“. Ist die Welt kleiner, wenn man jeden Tag fliegt?

Absolut! Wenn ich mir mal wieder maßgeschneiderte Vorhänge besorgen möchte, “requeste” ich mir einen Flug nach Peking. Meine Nägel lasse ich mir meistens in den USA machen und wenn ich im deutschen Winter mal wieder etwas Wärme brauche, fliege ich nach Singapur und schwitze dort am Pool. Mein Büro ist der Himmel und die Welt mein Zuhause.

Blick aus dem Fenster auf die Sonne im Flugzeug

Glückskekshafter, kitschiger und schöner hätte es wohl kaum einer sagen können. Ich bedanke mich für ein ausgesprochen spannendes Interview über einen außerordentlich faszinierenden Beruf einer äußerst interessanten Frau. Das, meine lieben Freunde, war Delia Wings mit ihrem Traumberuf: Flugbegleiterin.

Ihr wollt noch mehr mitreißende Menschen kennenlernen? Schaut doch mal bei der wunderbaren Ananda Cordova Stuart vorbei!

little reminder

PS: Jetzt noch ein paar Wörtchen meinerseits. Natürlich kann und will ich das Thema Umweltverschmutzung und Flugzeugreisen nicht einfach „wegschweigen“. Ein Gewissenskonflikt, auf den es für mich keine plausible Lösung oder Antwort gibt. Und ich weiß auch nicht, wie ich mein egoistische Bedürfnis durch die Gegend zu reisen und das Thema Umweltschutz unter einen Hut kommen soll. Ist schon paradox, wenn man bis nach Neuseeland fliegt, um auf einem Vulkan zu stehen und die wunderschöne grüne Natur bewundert, wenn man dafür auf einer Strecke von einmal-um-die-halbe-Welt diesen Planeten verpestet hat. Doch Fliegen ist manchmal auch die einzige Möglichkeit, fremde Kulturen hautnah zu erleben und zu lernen, wie die Welt funktioniert.

Ich persönlich finde es wichtig, dass man sich bewusst macht, welche Auswirkungen Flugzeugreisen haben. Bewusstsein schaffen, Notwendigkeiten abwägen und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen sind erste Schritte. Auch ich werde weiterhin mit dem Flugzeug durch die Welt düsen. Trotzdem muss daran gedacht werden, dass jeder hier etwas dazu beitragen muss, das unsere Erde nicht vollkommen den Geist aufgibt. Soviel dazu.

Adiós bitchachos.